Absichtslosigkeit und Hypnosephänomene


Datum: 31. August 2019

Uhrzeit: 14:00 - 17:30

Referent: Walter Tschugguel

Samstag

Univ.-Prof. Dr. Walter Tschugguel, Facharzt für Frauenheilkunde und Arzt für Allgemeinmedizin

Hypnosephänomene sind uns selten aber doch begleitende Phänomene unseres Alltags. Wir machen dabei Sinneserfahrungen, die wir nicht notwendig mit Mitmenschen teilen können und die innerhalb unseres gegenwärtig vorherrschenden Wirklichkeitsmodells und Kulturprogramms als Halluzinationen (infolge hypnotischer Trance, Schizophrenie, etc.) bezeichnet werden. Bei anderen, z.B. indigenen, Kulturen dagegen haben diese Phänomene, seit Menschengedenken, immer schon weitere Bedeutungen eingenommen die als normal eingestuft wurden, so jene der Weissagung, des zweiten Gesichts (Deuteroskopie), Besuche bereits verstorbener Bezugspersonen oder geliebter verstorbener Haustiere, etc.

So stellt sich uns die Frage, warum diese Phänomene in unseren Breiten seit der Periode der Aufklärung immer seltener geworden sind, oder aber – falls doch erlebt worden – so gerne verschwiegen werden.

Meine Hypothese liegt Schopenhauer zugrunde, demzufolge der Cartesius mit seinen berühmten Satz “Ich denke, also bin ich” seinen Adepten sinngemäß nahegelegt hat, es handle sich bei jenen Phänomenen schlicht um Ausgeburten unseres Intellekts. Nach Schopenhauer dagegen müsse der Cartesius´sche Satz durch Umdrehung berichtigt werden und würde dann lauten “Ich bin, also denke ich.”

Infolgedessen wird auf einmal jegliche Wahrnehmung zur eigenen Verstandesleistung, also einer Leistung unseres Körpers, egal ob durch äußere Affizierung von Seiten der Gegenstände her oder von innen, durch Propriozeption, indem unsere Sinnesorgane immer nur das vergegenständlichen, was Teil ihrer Anlage ist, wie auch eine Pflanze immer nur in Richtung ihrer Anlagen optimal wachsen und gedeihen kann, also nicht notwendig zum Nutzen der Bauern.

Demzufolge können solche Phänomene nicht erzwungen werden, sondern folgen in ihrer Bereitschaft hervorzukommen dem ästhetischen Grundsatz, dass nur Absichtslosigkeit Schönheit hervorbringen kann, wie wohl ab Verfestigung des absichtslos aufgetretenen Grundgedankens schon auch Werkzeuge (Sprache, Haltungen, Stimmung, etc.) zur Hervorbringung des Kunstwerks nötig und also geboten sind.